Der Vertreter der Ortsgruppe Bad Homburg
im Verkehrsausschuß der Stadt Bad Homburg
Peter Obrist
Hofheimer Str. 33, 61350 Bad Homburg
0 61 72 / 32 53 3

Der verkehrspolitische Sprecher
der Ortsgruppe Bad Homburg
Michael Seipp
Im Lehmkautsfeld 5a, 61350 Bad Homburg
0 61 72 / 86 78 95
 
An die Fraktionen von
B´ 90 / DIE GRÜNEN
SPD
Im Rathaus
 
Radverkehrskonzept 2000
 
Sehr geehrte Damen und Herren von B´ 90 / DIE GRÜNEN und SPD,
vielen Dank für Ihre Informationen zum Radverkehrskonzept und Ihre diesbezüglichen Anfragen bei uns.
Der ADFC begrüßt das mit dem erneuten Radverkehrskonzept ausgedrückte Bekenntnis der Stadt Bad Homburg zum Stellenwert des Fahrrades als Verkehrsmittel. Das Konzept zeigt Sachverstand und Praxisnähe. Es freut uns auch sehr, dass die empfohlene Form der Wegweisung angewendet wird.

Aus unserer Sicht handelt es sich, entgegen der Bezeichnung RadVERKEHRSkonzept, nur ein RadROUTENkonzept, denn es blendet zwei wesentliche Gedanken aus:
Konsequente Vernetzung aller wichtigen öffentlichen Einrichtungen. Es fehlen insbesondere die Verbindungen:
U-Bahn Gonzenheim ó Seedammbad / Kaiserin-Friedrich-Gymnasium
Bürgerhaus Kirdorf, anzubinden an die Route ab Brüningstraße ó Königsteiner Str. ó !NEU! Kronberger Str. ó Friedrich-Rolle Str. ó ggf. Pestalozzistr. ó Stedter Weg ó Götzenmühlweg
Verkehrsamt im Kurhaus und Touristinfo im Landratsamt (evtl. Samstagsöffnung!) sind zumindest mit Wegweisung zu berücksichtigen
Die Begrifflichkeit RADWEG ist zentraler Bestandteil des (kurzgefassten) Konzeptes. Es ist kurzsichtig geplant, wenn ausschließlich Fahrradfahranlagen, und Fahrradwegweiser im Fokus des Konzeptes stehen. Vielmehr sind vor Maßnahmenbeginn auch zu planen:
Fahrradabstellanlagen Gerade Freizeit- und Erlebnisradler nutzen hochwertige Fahrräder, die nicht an einen Felgentöter (Foto: am Bürgerhaus Kirdorf) angeschlossen werden (ein moderat hochwertiges Vorderrad kostet 200,- DM!). Beachten Sie, dass die innerstädtischen Fahrradparkplätze bereits seit Jahren erschöpft sind! Konkret ist vor allem zu denken an:
 
die Louisenstraße - in Abstimmung mit der Neugestaltung ergeben sich hier Kostenvorteile! Auch sollte die Gelegenheit genutzt werden, um die Fußgängerzonenquerung Haingasse ó Löwengasse optimal zu gestalten. Das Planungsbüro sollte dazu mehrere, in anderen Kommunen bewährte, Varianten vorstellen. Die negativen Erfahrungen aus Oberursel müssen hier nicht wiederholt werden.
den S-Bahnhof, wo evtl. eine Radstation (s. Anlage Radwelt 3/01 S. 10 f.) eingerichtet werden kann. Gerade Freizeit- und Erlebnisradler bemerken oft erst bei der Anfahrt, dass ihr Fahrrad technische Mängel hat. Eine Werkstatt mit Fahrradvermietung wäre sinnvoll und eine "Homburger" Lösung. Auch hier ergäben sich im Zusammenhang mit einer Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes und Modernisierung des Gebäudes einmalige Möglichkeiten für nachhaltige Stadtentwicklung.
Die Leitstelle "Arbeit statt Sozialhilfe" beim Hochtaunuskreis ist für die Idee der Verknüpfung der Radstation mit Arbeit statt Sozialhilfe / Jugendberufshilfe offen. Auch der Fahrradbeauftragte des Hochtaunuskreises befürwortet eine solche Einrichtung.
das Gotische Haus, den Hirschgarten und natürlich alle anderen "attraktive Ziele" (Foto: Louisenstraße vor dem Kurhaus).
 
Instandhaltung des Routennetzes, da Fahrräder äußerst sensible Fahrzeuge sind! Es ist mit offizieller Ausweisung des Netzes sicherzustellen, dass die Routen zu allen Jahreszeiten befahrbar sind (Schlaglöcher/Pfützen, Scherben, Laub, Schnee [HOCHtaunuskreis!], innerstädtisch: Beleuchtung) Dazu wäre es geboten, ab dem Haushaltsjahr 2002 eine Haushaltsstelle "Unterhaltung von Radverkehrsanlagen" einzurichten mit den Unterstellen:
Radfahrwege
Wegweisung und StVO-Beschilderung
Radabstellanlagen
Diese Klarstellung würde von der Straßenverkehrsbehörde begrüßt. Bisher müssen laufende Kosten für Radverkehr aus demselben Topf wie für den Kfz-Verkehr genommen werden. Welche Priorität in Bad Homburg herrscht, soll mit einem Zitat des ehemaligen Verkehrsdezernenten Gerhold verdeutlicht werden "Der Kfz-Verkehr kommt in Bad Homburg nicht gerade zu kurz...".
Der Begriff "Freizeit- und Erlebnisradverkehr" sollte auf jeden Fall so weitgehend verstanden werden, dass
Menschen aus der Region und
aus Bad Homburg selbst
"Wellness"-Gäste (aktuelle Veränderungen im Kurbereich!)
animiert werden, das Fahrrad zu nutzen. Das Konzept, Nebenrouten zu befahren kommt dabei vielen entgegen und wird bei guter Ausgestaltung sicher begeistert aufgenommen.
Im Detail sollte auf folgende Punkte geachtet werden:
Im Rahmen der Beschilderung des Radroutennetzes kann an Sackgassen das in vielen Kommunen bereits bewährte Schild: Sackgasse / Radfahrer und Fußgänger frei eingesetzt werden:
Hierzu ist keine Neubeschildunerg nötig. Aufkleber auf bestehende Schilder (wie auch im Beispiel - Mainz, Goßler Weg - zu sehen) ist ausreichend.
 
Die Wegweisung an vorhandenen Pfosten (Laternen, Ampeln, Schilder, ...) muss, schon aus Kostengründen, unbedingt und konsequent umgesetzt werden, um ein Wuchern des Schilderwaldes zu vermeiden (s. Beispielfoto zum Konzept und unten "Marler Ampelgriffe"). Das Homburger Stadtbild ist Zeugnis einer unschönen Tendenz, die "eher noch einen Pfosten" aufstellen lässt (Zuletzt gravierend: Parkplätze in der Wiesbadener Straße). Die Anzahl der neu aufgestellten Pfosten sollte protokolliert werden.
Entlang der Radrouten sollten "Marler Ampelgriffe" eingesetzt werden (nähere Erläuterungen s. Anl. Radwelt 3/01 S. 6). Die Nutzung des Zwischenraumes für Wegweisung oder Werbung (Einnahmen!), sollte genutzt werden.
 
Im Zuge einer nachhaltigen Fahrradpolitik regen wir an, bei Verkehrszählungen künftig auch Fahrräder mitzählen zu lassen. Dadurch ließen sich die Kosten für Gutachten eindämmen und durch die vorhandenen Fachleute bei Stadtverwaltung, Polizei und ADFC durchaus eine eigenständige Verbesserung des Radverkehrsnetzes zustande bringen. Die Erfahrung hat zumindest gezeigt, dass speziell die ausführlichen Mängellisten des ADFC als Grundlage der Konzepte genutzt werden. Es wäre vorstellbar, diese Listen gemeinsam mit der Stadt regelmäßig fortzuführen. Die Teilnahme der Verwaltung an den Befahrungen wäre unsererseits sehr erwünscht.
Zum Thema Unechte Einbahnstraßen weisen wir darauf hin, dass der ADFC am
Sonntag, den 20. Mai 2001, 10 Uhr
ab Kurhausvorplatz
eine Radtour "In Bad Homburg gegen die Einbahnstraße?!" veranstaltet. Dazu sind Sie herzlich eingeladen.
Das vollständige Tourenprogramm finden Sie im Internet: www.adfc-bad-homburg.de
Mit fahrradfreundlichen Grüßen
 
Peter Obrist     Michael Seipp