Der verkehrspolitische Sprecher
der Ortsgruppe Bad Homburg
Michael Seipp
Im Lehmkautsfeld 5a, 61350 Bad Homburg
0 61 72 / 86 78 95
An die Fraktionen von
B´ 90 / DIE GRÜNEN
SPD
Im Rathaus
Radverkehrskonzept 2000
Sehr geehrte Damen und Herren von B´ 90 / DIE GRÜNEN und
SPD,
vielen Dank für Ihre Informationen zum Radverkehrskonzept und
Ihre diesbezüglichen Anfragen bei uns.
Der ADFC begrüßt das mit dem erneuten Radverkehrskonzept
ausgedrückte Bekenntnis der Stadt Bad Homburg zum Stellenwert des
Fahrrades als Verkehrsmittel. Das Konzept zeigt Sachverstand und Praxisnähe.
Es freut uns auch sehr, dass die empfohlene Form der Wegweisung angewendet
wird.
Aus unserer Sicht handelt es sich, entgegen der Bezeichnung RadVERKEHRSkonzept,
nur ein RadROUTENkonzept, denn es blendet zwei wesentliche Gedanken aus:
Konsequente Vernetzung aller wichtigen öffentlichen Einrichtungen.
Es fehlen insbesondere die Verbindungen:
U-Bahn Gonzenheim ó Seedammbad / Kaiserin-Friedrich-Gymnasium
Bürgerhaus Kirdorf, anzubinden an die Route ab Brüningstraße
ó Königsteiner Str. ó !NEU! Kronberger Str. ó
Friedrich-Rolle Str. ó ggf. Pestalozzistr. ó Stedter Weg
ó Götzenmühlweg
Verkehrsamt im Kurhaus und Touristinfo im Landratsamt (evtl. Samstagsöffnung!)
sind zumindest mit Wegweisung zu berücksichtigen
Die Begrifflichkeit RADWEG ist zentraler Bestandteil des (kurzgefassten)
Konzeptes. Es ist kurzsichtig geplant, wenn ausschließlich Fahrradfahranlagen,
und Fahrradwegweiser im Fokus des Konzeptes stehen. Vielmehr sind vor Maßnahmenbeginn
auch zu planen:
Fahrradabstellanlagen Gerade Freizeit- und Erlebnisradler nutzen hochwertige
Fahrräder, die nicht an einen Felgentöter (Foto: am Bürgerhaus
Kirdorf) angeschlossen werden (ein moderat hochwertiges Vorderrad kostet
200,- DM!). Beachten Sie, dass die innerstädtischen Fahrradparkplätze
bereits seit Jahren erschöpft sind! Konkret ist vor allem zu denken
an:
die Louisenstraße - in Abstimmung mit der Neugestaltung ergeben
sich hier Kostenvorteile! Auch sollte die Gelegenheit genutzt werden, um
die Fußgängerzonenquerung Haingasse ó Löwengasse
optimal zu gestalten. Das Planungsbüro sollte dazu mehrere, in anderen
Kommunen bewährte, Varianten vorstellen. Die negativen Erfahrungen
aus Oberursel müssen hier nicht wiederholt werden.
den S-Bahnhof, wo evtl. eine Radstation (s. Anlage Radwelt 3/01 S.
10 f.) eingerichtet werden kann. Gerade Freizeit- und Erlebnisradler bemerken
oft erst bei der Anfahrt, dass ihr Fahrrad technische Mängel hat.
Eine Werkstatt mit Fahrradvermietung wäre sinnvoll und eine "Homburger"
Lösung. Auch hier ergäben sich im Zusammenhang mit einer Neugestaltung
des Bahnhofsvorplatzes und Modernisierung des Gebäudes einmalige Möglichkeiten
für nachhaltige Stadtentwicklung.
Die Leitstelle "Arbeit statt Sozialhilfe" beim Hochtaunuskreis ist
für die Idee der Verknüpfung der Radstation mit Arbeit statt
Sozialhilfe / Jugendberufshilfe offen. Auch der Fahrradbeauftragte des
Hochtaunuskreises befürwortet eine solche Einrichtung.
das Gotische Haus, den Hirschgarten und natürlich alle anderen
"attraktive Ziele" (Foto: Louisenstraße vor dem Kurhaus).
Instandhaltung des Routennetzes, da Fahrräder äußerst
sensible Fahrzeuge sind! Es ist mit offizieller Ausweisung des Netzes sicherzustellen,
dass die Routen zu allen Jahreszeiten befahrbar sind (Schlaglöcher/Pfützen,
Scherben, Laub, Schnee [HOCHtaunuskreis!], innerstädtisch: Beleuchtung)
Dazu wäre es geboten, ab dem Haushaltsjahr 2002 eine Haushaltsstelle
"Unterhaltung von Radverkehrsanlagen" einzurichten mit den Unterstellen:
Radfahrwege
Wegweisung und StVO-Beschilderung
Radabstellanlagen
Diese Klarstellung würde von der Straßenverkehrsbehörde
begrüßt. Bisher müssen laufende Kosten für Radverkehr
aus demselben Topf wie für den Kfz-Verkehr genommen werden. Welche
Priorität in Bad Homburg herrscht, soll mit einem Zitat des ehemaligen
Verkehrsdezernenten Gerhold verdeutlicht werden "Der Kfz-Verkehr kommt
in Bad Homburg nicht gerade zu kurz...".
Der Begriff "Freizeit- und Erlebnisradverkehr" sollte auf jeden Fall
so weitgehend verstanden werden, dass
Menschen aus der Region und
aus Bad Homburg selbst
"Wellness"-Gäste (aktuelle Veränderungen im Kurbereich!)
animiert werden, das Fahrrad zu nutzen. Das Konzept, Nebenrouten zu
befahren kommt dabei vielen entgegen und wird bei guter Ausgestaltung sicher
begeistert aufgenommen.
Im Detail sollte auf folgende Punkte geachtet werden:
Im Rahmen der Beschilderung des Radroutennetzes kann an Sackgassen
das in vielen Kommunen bereits bewährte Schild: Sackgasse / Radfahrer
und Fußgänger frei eingesetzt werden:
Hierzu ist keine Neubeschildunerg nötig. Aufkleber auf bestehende
Schilder (wie auch im Beispiel - Mainz, Goßler Weg - zu sehen) ist
ausreichend.
Die Wegweisung an vorhandenen Pfosten (Laternen, Ampeln, Schilder,
...) muss, schon aus Kostengründen, unbedingt und konsequent umgesetzt
werden, um ein Wuchern des Schilderwaldes zu vermeiden (s. Beispielfoto
zum Konzept und unten "Marler Ampelgriffe"). Das Homburger Stadtbild ist
Zeugnis einer unschönen Tendenz, die "eher noch einen Pfosten" aufstellen
lässt (Zuletzt gravierend: Parkplätze in der Wiesbadener Straße).
Die Anzahl der neu aufgestellten Pfosten sollte protokolliert werden.
Entlang der Radrouten sollten "Marler Ampelgriffe" eingesetzt werden
(nähere Erläuterungen s. Anl. Radwelt 3/01 S. 6). Die Nutzung
des Zwischenraumes für Wegweisung oder Werbung (Einnahmen!), sollte
genutzt werden.
Im Zuge einer nachhaltigen Fahrradpolitik regen wir an, bei Verkehrszählungen
künftig auch Fahrräder mitzählen zu lassen. Dadurch ließen
sich die Kosten für Gutachten eindämmen und durch die vorhandenen
Fachleute bei Stadtverwaltung, Polizei und ADFC durchaus eine eigenständige
Verbesserung des Radverkehrsnetzes zustande bringen. Die Erfahrung hat
zumindest gezeigt, dass speziell die ausführlichen Mängellisten
des ADFC als Grundlage der Konzepte genutzt werden. Es wäre vorstellbar,
diese Listen gemeinsam mit der Stadt regelmäßig fortzuführen.
Die Teilnahme der Verwaltung an den Befahrungen wäre unsererseits
sehr erwünscht.
Zum Thema Unechte Einbahnstraßen weisen wir darauf hin, dass
der ADFC am
Sonntag, den 20. Mai 2001, 10 Uhr
ab Kurhausvorplatz
eine Radtour "In Bad Homburg gegen die Einbahnstraße?!" veranstaltet.
Dazu sind Sie herzlich eingeladen.
Das vollständige Tourenprogramm finden Sie im Internet: www.adfc-bad-homburg.de
Mit fahrradfreundlichen Grüßen
Peter Obrist Michael Seipp